Die Geschichte des Rosengartens

Quelle: Wemmetsweiler Heimatblätter 1986, Arbeitskreis Heimatkunde der VHS Wemmetweiler (Seite 60 ff)

Der Rosenverein und der Rosengarten

Von Josef Schreiner

„Am Anfang unserer Vereinsgeschichte steht zwar die Gründung, doch der eigentliche Anlass war die Rose, die, so glaube ich, einer Würdigung wert ist.“ Diese Worte setzt der Chronist an den Anfang der Vereinsgeschichte der Rosenfreunde.

Der Name der Rose beruht auf einer Entlehnung aus dem lateinischen „rosa“. Dieses lateinische Wort hängt mit dem gleichbedeutenden griechischen Wort „rhodon“ zusammen und stammt mit diesem aus einer kleinasiatischen Quelle. Das Wort hat schon sehr früh viele Ableitungen und Zusammensetzungen erfahren.

Die Rose wurde schon in ältester Zeit in der dekorativen wie in der schönen Kunst zur Anwendung gebracht. Auf griechischen Goldstücken und später auf mittelalterlichen Münzen ist sie geprägt. Vielfach wird die kaukasische Zentifolie (rosa centifolia) als eine der ältesten Stammformen der Zuchtrosen angesehen. Mit Sicherheit wurde jedoch um 2000 vor Christus die kleinasiatische Damaszener Rose (rosa demaszena) in Persien in Kultur genommen. Vom Orient gelangte die Edelrose nach Griechenland, wo sie der Venus geweiht war – ein Brauch, der sich mit vielen Abwandlungen bis in unsere Tage erhielt.

Die Rosenliebhaberei hat sich später trotz des langsamen und beschwerlichen Verkehrs von Asien her nach allen bewohnten Ländern verbreitet. In Wemmetsweiler begann sie eine besondere Rolle zu spielen, als ihre Qualität noch lange nicht so viel erstaunen erregte wie heute.

In Deutschland gab es um diese Zeit nur wenige Männer, die sich mit der Weiterentwicklung der Rose beschäftigen. Neben einigen bekannten Rosenzüchtern (Lambert und Kordes) ist der Name eines Bürgers unseres Ortes zu nennen: Johann Heinrich Licht. Jahrelang hatte er die Rose als seine Lieblingsblume ausersehen. Ihre Pflege und Züchtung war seine liebste Beschäftigung. Während seiner Militärdienstzeit beim 29. Infanterieregiment in Trier um die Jahrhundertwende soll sich eine Begeisterung und Liebe zur Rose entfacht haben. Der aktive Bergman J. H. Licht soll eine Reihe seiner Kumpel, die seine Arbeit mit Interesse beobachtet haben, so begeistert haben, daß sie sich ihm spontan anschlossen. Er regte in ihrem Kreis an, einen „Verein der Rosenfreunde“ zu gründen.

So kam es am 21. April 1921 zu Gründung des Vereins, zu dessen Vorsitzenden Johann Heinrich Licht gewählt wurde.

Heute könne nicht mehr alle Vorstandsmitglieder nachgewiesen werden, wohl aber der erste Vorstand, soweit er mit der Geschäftsführung beauftragt war. Folgende Mitglieder gehörten dem ersten Vorstand an: Johann Heinrich Licht, Peter Dörr, Jakob Penth und Eduard Maas. Der Verein trat sofort dem „Verein deutscher Rosenfreunde“ bei, dem er auch heute noch angehört.

Da Organ des „Vereins deutscher Rosenfreunde“, die deutsche Rosenzeitung, war durch seine belehrenden Aufsätze über Zucht, Pflege und Schädlingsbekämpfung eine lehrreiche Schulung der Mitglieder des jungen Vereins. Eine Sammlung dieser Zeitung ist noch vorhanden. Die wohl wichtigste Notiz hierin (Nr. 6 aus dem Jahres 1923) verdient wegen ihrer vereinsgeschichtlichen Bedeutung festgehalten zu werden:

„Der V. d. R. zu Wemmetsweiler/Saar teilt folgendes mit: Wir sind lauter Bergleute Wir wären so gern nach Forst gekommen, hätten dann aber Schichten feiern müssen. So haben wir an dem Tage bei uns in Wemmetsweiler eine Versammlung abgehalten. Die nach dem nassen Wetter in der Hitze schnell aufblühenden Rosen waren bald verblüht. Durch das Regenwetter waren die Rosen im Ton heller als sonst. (Auch anderswo beobachtet). Einzelne von uns besitzen über 100 Sorten, geben sich mit Kreuzungen ab und hatten bereits sehr schöne Erfolge. Der Verein ist 1921 mit zehn Mitgliedern gegründet worden und zählt heute 70, von denen 29 dem V. d. R. angehören, eine Zahl, die unsere Vorstandsmitglieder, der Herren Licht, Dörr und Maas, bald auf 50 zu steigern hoffen.

Unseren bisherigen Beiträgen pro 1923 hoffen wir noch für jedes Mitglied je 5 Francs folgen lassen zu können“ Penth, Schriftführer

Trotz finanzieller Nöte leistete der Verein im Jahr 1922 zur Stützung des „Vereins deutscher Rosenfreunde“ einen Sonderbeitrag in Höhe von 165,- Reichsmark, die höchste Spende eines Vereins. In der gleichen Zeitung finden wir in der Ausgabe Nr. 6 (1924) eine interessante Darstellung über die Arbeit der Rosenfreunde:

„Wemmetsweiler. Der Vorstand der Ortsgruppe sucht bei den Festen derselben das Interesse für die Rosen zu beleben durch sinnige und lehrreiche Darbietungen, so, bei der dortigen Rosenschau im Sommer, durch eine symbolisch dargestellte, musikalisch begleitete Huldigung, der der Rose dargebracht wird von den Blumen des Gartens und des Feldes, der Wiese und des Waldes. Herr Feldberg-Leclerc aus Tier, sowie der Vorsitzende der Ortsgruppe, H. Licht, die beide hervorragend, auch z. T. mit Neuheiten an der Ausstellung beteiligt waren, hielten Vorträge über die Praxis und über die ideelle Bedeutung der Rosenzucht, in Rosenliedern klang die Feier aus.“

Im Jahr 1925 wurde vom Gründungsvorsitzenden der Gedanke angeregt, einen Rosengarten (rosarium) anzulegen und dies trotz finanzieller Not, was aus der folgenden Notiz in der deutschen Rosenzeitung Nr. 3/7 vom Jahr 1926 zu entnehmen ist:

„Wemmetsweiler. Unsere ganze Ortsgruppe besteht aus Arbeitern, meist Bergarbeitern, deren Tageslohn jetzt dem Wert von 2 Friedensmark entspricht. Wir bemühen uns, die Mitglieder der Ortsgruppe zusammenzuhalten, selbst bei lächerlich geringen Beiträgen. Sollten bessere Verhältnisse eintreten, so werden wird sofort bereit sein, dem V. d. R. das ihm Gebührende zu geben.“

In der Versammlung am 16.8.1925 wurde eine Kommission gewählt, die die nötigen Schritte zum Erwerb eines Grundstücks zur Anlage eines Rosengartens einleiten sollte. Nach längerem Beratungen mit Bürgermeister P. Walter stellte die Gemeinde ein Geländestück auf dem landwirtschaftlich wenig ertragreichen „Bingert“ zur Verfügung, in freiwilliger Arbeitsleistung wurde dieses Gelände von den Mitgliedern bearbeitet. Große Schwierigkeiten waren bei der Bearbeitung zu überwinden, da nur eine 15 cm hohe Mutterbodenschickt vorhanden war, darunter lag ein Schiefergestein. Dieses musste bis zu 70 cm herausgeholt und durch anderen Mutterboden ersetzt werde, Nur so konnte die erforderliche Tiefe für ein gesundes Wachstum erzielt werden. Die erforderliche Menge Muttererde wurde unter unvorstellbaren Umständen von außerhalb angefahren. Diese Arbeit erforderte mehr Zeitaufwand als das spätere Bepflanzen. Nach langwieriger Arbeit konnte im Jahr 1929 mit der Bepflanzung eines Teiles der Anlage begonnen werden.

In anerkennenswerter Weise hatten verschiedene deutsche Rosenfirmen eine Reihe von Rosenstöcken kostenlos zur Verfügung gestellt. Die Hälfte der Anlage konnte damit bepflanzt werden. 1939 wurde der zweite Teil der Anlage in Angriff genommen. Der erste Teil war mit einer Zementplatteneinfassung versehen. Leider fehlten jetzt die Mittel, auch diesem Teil eine Einfassung zu geben. Das geschah dann 1932. Die Rosenfreunde beschafften sich einen Waggon Hartstein-Gries, um auch dies Arbeit in freien Stunden ausführen zu können. Durch rege Arbeit konnte die Anlage immer mehr vervollkommnet werden. Die im Rosarium vorgesehenen Ruhebänke konnten an Ort und Stelle angebracht und Pergolen darüber gebaut werden. Sie waren mit Rankrosen verschiedener Art Bepflanzt.

Ein Teil der Anlage war ursprüngliche als Schulgarten gedacht, wurde aber dann einen Steingarten umgewandelt und ebenfalls bepflanzt.

Um den Besuchern den Aufenthalt angenehmer zu gestalten, begann man 1932 mit dem Bau eines Pavillons. Er bietet mit circa 60 qm Flächeninhalt reichlich Sitzgelegenheit. Durch die vom einheimischen Schlossermeister Paul Kirsch selbstgefertigten Bogenfenster genießt der Gast einen herrlichen Rundblick über weite Teile des Landes.

In dieser schwierigen Zeit des Aufbaues war die hiesige Kauffrau Berta Schmitz dem Verein ein e große finanzielle Stütze. Sie und der frühere Bürgermeister P. Walter werden heute noch in einem Atemzug mit den Gründern genannt.

Nach dem zweiten Weltkrieg sind die Sorgen Nicht gewichen. Die gleichen Schwierigkeiten stellten sich ein wie in den Jahren nach der Gründung.

Es konnte weder das materielle noch das finanzielle Problem gelöst werden. Durch eine großzügige Spende der „Schützengilde Wemmetsweiler“ und eine Zuwendung der Gemeinde wurden die Sorgen wesentliche verringert. Der Fortbestand der Anlage wurde endgültig gesichert, als sich Kreistag und Gemeinderat entschlossen, den Verein mit jährlichen Zuschüssen zu unterstützen.

Einen besonderen Höhepunkt brachte das Jahr 1971. Der „Verein der Rosenfreunde“ feierte sein 50. Gründungsjubiläum. Aus diesem Anlass wurde die sechste Schnittrosenschau des Kreises Ottweiler in Wemmetsweiler durchgeführt. Sie fand die uneingeschränkte Anerkennung der vielen Besucher. Einige tausend Rosen verschiedener Sorten mit klangvollen Namen wurden in gepflegten Beeten zusammengestellt, wobei jeder teilnehmende Verein sein eigenes Arrangement hatte. Der ganze Saal einschließlich des Nebenraumes und der Bühne glich einem einzigen Rosengarten, der die Jahresarbeit und Mühe der Züchter in schönster Weise dokumentierte.

In dieses Jubiläumsjahr fallen eine Vielzahl vereinsbedeutender Ereignisse: Auf Anregung unseres Rosenfruendes Felix Graß brachte die Bundespost einen Sonderstempel „50 Jahre Rosengarten Wemmetsweiler“ heraus.

Als besonders Freundliche geste wurde es empfunden, als die Mitglieder des Vereins am Ende der Rosenschauf im Einvernehmen mit der katholischen und evangelischen Kirche den kranken Menschen der Gemeinde je einen Rosenstrauß überbrachten.

Ein weiters Zeichen der Bedeutung der Rose für unsere Gemeinde war die Aufnahme eines Rosenzweiges in das Wappen der aus beiden Ortsteilen neu gebildeten Gemeinde.

Motiviet durch die Erfolge der zurückliegenden Jahre und ein damit einhergehende verbesserte Finanzlage, plante man dann, die Gesamtanlage übe einen längeren Zeitraum umzugestalten, um den heutigen Ansprüchen an eine freundliche Umwelt gerecht werden zu können, voraus ginge eine Restaurierung des Pavillons, der auch weiterhin Mittelpunkt der veränderten Anlage bleiben sollte.

Dies Umgestaltung wurde in den Jahren 1978 bis 1982 vorgenommen. Die zwischenzeitlich sehr baufällig gewordene Stützmauer (Trockenmauer) musste aus eine Länge von ca. 150 m erneuert werden. Dansch begann eine Phase der Umgestaltung der Rosenbeete mit dem Ziel, die Anlage neueren Erfordernissen zur Verbesserung des Freizeitwertes anzu passen und eine weniger arbeitsinensive Pflege zu gewährleisten. Die Aufgaben waren vielfältig und umfangreich: schattige Freizeitflächen mit Pergolen – Anlegen neuer Rasenflächen – Neubeschaffung und teilweiser Austausch der Muttererde – Erneuerung der Weg- und Pfadbefestigung, Diese sich über 4 Jahre erstreckende Maßnahme wurde unterstützt durch eine ausgezeichnete Zusammenarbeit des Vereins der Rosenfreunde mit dem Gemeinderat sowie durch ein ausreichende Mittelbewilligung durch den Gemeinderat und den Kreistag.

Ein Großereignis bildete letztlich im Jahre 1985 die Ernennung des Landkreises Neunkirchen zum ersten Rosenkreis der Bundesrepublik Deutschland im großen Rathaussaal in Wemmetsweiler anlässlich der 20. Jubiläumsrosenschau vor sehr vielen in- und ausländischen Gästen, an der Spitze der Präsident des „Vereins deutscher Rosenfreunde“, der ehemalige Gartendirektor der Insel Mainau, Josef Raff.

Dies ist ein deutliches Zeichen dafür, wie hoch die aufopfernde Arbeit der Rosenfreunde gewertet wird. Die Besucher, die in unserem Rosengarten Ruhe, Entspannung und Freude finden, wünschen dem gut geführten Verein noch viele Jahre gedeihlicher Zusammenarbeit.